Thomas v. d. K.

Thomas v. dem Knesebeck (1559–1625)
Geheimer Rat und Landeshauptmann der Altmark

Marmorbüste des Thomas v. dem Knesebeck an der 1945 zerstörten Siegesallee

Thomas v. dem Knesebeck gilt als Begründer der religiösen Toleranzpolitik der Hohenzollern. Er wurde als Sohn von Oberst Joachim von dem Knesebeck und Margarethe von der Schulenburg in eine der bekanntesten brandenburgischen Familien hineingeboren.  In seiner Jugend studierte er Rechtswissenschaften und Geisteswissenschaften in Helmstedt und Frankfurt/Oder, bevor der vorzeitige Tod seines Vaters ihn zwang, zur Verwaltung der Familiengüter zurückzukehren. Sein Bruder Hempo war bereits 1581 als Oberst im Achtzigjährigen Krieg gefallen, ein weiterer Bruder während der Belagerung von Metz.
“Ein hervorragender Vertreter des brandenburg-preußischen Toleranzgedankens … Nach einem Memorandum über Modernisierung der Verwaltung berief ihn Kanzler Labert Distelmeier in den Staatsdienst. Dort zeichnete sich der junge Mann als Rat und Assessor im Justizappart aus. 1598 ernannte ihn Kurfürst Joachim Friedrich zum Geheimen Rat, 1604 zum Landeshauptmann der Altmark. ( …) er setzte sich unbeirrt für eine Gleichberechtigung des reformierten Bekenntnisses mit dem lutherischen ein. (…) 1614 veröffentlichte (er) ein Plädoyer für religiöse Duldsamkeit”, schreibt Jan v. Flocken in Siegesallee, Berlin, 2000, über Thomas v. dem Knesebeck.

In der Allgemeinen Deutschen Biographie von 1882 heißt
es über ihn:

Thomas vom dem Knesebeck, geb. 1559, † 1625 auf Schloß Tilsen in der Altmark, ist der erste dieses Namens, der sich in der Geschichte des brandenburgisch-preußischen Staats eine ehrenvolle Stelle errungen hat. Einer altfreien Familie entsprossen, hatte K. sich nur mit Selbstüberwindung den humanistischen und juristischen Studien, denen er als Jüngling auf deutschen Universitäten mit Eifer oblag, entzogen, um die Verwaltung seiner Erbgüter bei dem frühzeitigen Tode seines Vaters zu übernehmen. Doch auch hier in ländlicher Thätigkeit und Zurückgezogenheit blieb sein Blick dem Allgemeinen, der politischen Entwickelung seines Landes, den Wissenschaften zugewandt. So veröffentlichte er aus eigenem Antrieb als die Frucht langjähriger Betrachtungen noch unter Johann Georg eine Denkschrift über die Verwaltung der Altmark, die die Aufmerksamkeit des Kanzlers Lamprecht Distelmeyer auf ihn lenkte und seinen Eintritt in den öffentlichen Dienst in der Stellung eines kurfürstlichen Raths und Assessors des altmärkischen Quartalgerichts zur Folge hatte.

Kurfürst Joachim Friedrich erhob ihn zu der besonderen Vertrauensstellung eines Geh. Raths von Haufe aus und übertrug ihm 1602 die Landeshauptmannschaft der Altmark. In dieser Stellung, die er bis zu seinem Tode innehatte, zeichnete er sich über den Bereich seiner engeren Heimath hinaus durch sein Eintreten für eine der wichtigsten Errungenschaften des Hauses Hohenzollern, die Toleranz in kirchlichen Dingen aus. Neben seiner Ordnung der Grundlagen der altmärkischen Rechtsprechung – die Quartalgerichtsordnungen von 1602 und 1611 sind sein Werk – nahm er hervorragenden Antheil an der Erkämpfung der Gleichberechtigung des reformirten Bekenntnisses mit dem lutherischen in den Marken. Jenem gehörte seit 1613 der Kurfürst Johann Sigismund und seine Familie an und auch die K. bekannten sich gleich einer Anzahl anderer hervorragender Adelsfamilien zu diesem Bekenntniß.

Als der Streit von der Kanzel auf die Gasse herabzusteigen begann, veröffentlichte K. (Juni 1614) eine kleine Schrift: „Einfeitiger Bericht, wie sich ein jedes christliches Herz itziger Zeit, insonderheit aber Unterthanen gegen ihre Obrigkeiten, welche etwa verenderter Religion beschuldigt werden, verhalten soll“. Dieselbe hatte nebst mehreren gleicher Art, mindestens den Erfolg, die Denkenden und Wohlmeinenden unter den Gegnern nachdenklich zu machen, eine Brücke zum gegenseitigen Verständniß zu eröffnen. Dies letztere strebte K. mehr noch als durch seine litterarische Thätigkeit durch sein ganzes Persönliches Auftreten, seine milde, wohlwollende Gesinnung, die ernste Zurückweisung jedes frivolen Gezänkes erfolgreich an. Gerade in der Altmark machte sich die Wirkung seiner versöhnlichen Richtung am ersten geltend. Er starb 1625 mit Hinterlassung dreier Söhne, Thomas, Hempo und Levin, die sich alle im Dienste ihres Vaterlandes hervorgethan haben. Knesebeck, Thomas von dem“, in: Allgemeine Deutsche Biographie (1882), S. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/.html  

Ein ausführlicherer Lebensbericht über Thomas v. dem Knesebeck findet sich im Buch A. v. dem Knesebeck: Aus dem Leben der Vorfahren auf dem Schlosse zu Tilsen, Berlin, 1875. Siehe Mitgliederbereich unter GEDRUCKTES. Mehr zum Sigismund-Standbild der Siegesallee und der Büste des Thomas v. dem Knesebeck siehe Mitgliederbereich unter SPUREN